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Kájov/Gojau 1. 12. 2020

Liebe Freunde, Pilger u. Wohltäter von Maria Gojau, diesem schönen Wahlfahrtsorte,

es gehört schon zur vorweihnachtlichen Zeit, einen Gruß von Gojau/Kájov an Sie herzlichst zu richten, um Ihnen Bescheid zu geben u. an der Schwelle des neuen liturgischen Jahres Rückblick zu halten. Als wir Schwestern letzten Advent Geschenke zum hl. Nikolaus-Fest eingepackt und mit Kindern das Krippenspiel geübt haben, haben wir kaum geahnt, dass sich in einem Jahr vielerlei ändern kann. Ja, das Jahr 2020 hat Unerwartetes gebracht.

Anfang Januar sind wir zusammen mit Kindern mit dem Drei-König-Lied als Sternsinger von Haus zu Haus gegangen u. haben den Segen Gottes gewünscht; und siehe, wie dringlich benötigen ihn wir Menschen jetzt. Ein zwar winziges, desto gefährlicheres Wesen, das Virus Covid-19 genannt wurde, kippte alles Alltägliche um u. setzte große Anzahl von Fachleuten in fieberhaftes Suchen nach einer wirksamen Lösung. An derselben Seite der „Front“ möchten wir uns Schwestern stellen. Deshalb empfehlen wir durch die Mutter Gottes Menschen ganzen Welt Gott, der Güte ist. Jeden Tag zünden wir in der Wallfahrtskirche eine Kerze an, damit Christus, das Licht der Welt, alles Finstere vertreibt.

Bevor sich die Lage direkt in Kájov/Gojau zugespitzt hat, hatte am Dienstag vor dem Aschermittwoch ein Faschingstrubel im Pfarrhof herumgetollt: die verkleideten Schulkinder ließen sich den Besuch bei uns Schwestern nicht entgehen. An demselben Tag hat die Vikariat-Sitzung stattgefunden – leider zum letzten Mal: für lange Zeit sollte kein Team-Treffen mehr geben...

An den sonntäglichen Gottesdienst am 8. März hat sich die Kreuzweg-Andacht eingeschlossen, die Pfarrleute vorzubeten pflegen. Am folgenden Sonntag konnten wir wegen der restriktiven Versammlung-Vorschriften nicht mehr in der Kirche zusammen sein.

Seit dem Dienstag den 12. März hat die tschechische Regierung Notstand verlautbart. Dieser ersten Notstand dauerte bis zum 17. Mai 2020. Innerhalb dieser Zeit hatten alle Bewohner mehrere Maßnahmen einzuhalten (stark begrenzte Mobilität, Masken-Pflicht, Schulunterricht nur online, zugemachte Hotels, Unterkunft-Einrichtungen, Gaststätten, Verbot von Kultur- u. Sport-Veranstaltungen sowie auch Gottesdiensten). Anfangs war Mangel an Schutzmaterialien, besonders Masken, spürbar, deshalb haben wir Schwestern einige genäht: zuerst für Priester, Pfarrleute, später ehrenamtlich für die Stadt Tsch. Krummau – etwa 600 Stück.

Man würde vermuten, das Pilgerverkehr stünde genauso still. Nur scheinbar! Jeden Tag ist ein der Tsch.-Krummauer Priester nach Kájov gekommen, um am Gnaden-Altar von Gojauer Mutter Gottes hl. Messe zu lesen. In der St. Wenzelskapelle von Tsch. Krummau feierte man ebenso täglich Eucharistie, der online die Pfarrleute beiwohnen konnten (YouTube).

Am Sonntag, den 15 März hat bei uns einen Besuch der Budweiser Bischof, Mons. Vlastimil Kročil, abgestattet. Er wollte eine private Wallfahrt zur Mutter Gottes unternehmen, so nahmen wir Schwestern an dem Rosenkranz mit ihm u. danach an der Eucharistie am Gnaden-Altar teil.

Sehr selten war mitten dem beengten Gesellschaftsleben die Oster-Feier. So viel an fast unheimlicher Stille! Zu dieser Zeit hat uns das Entschlafen von Frau Pícha, der Mutter unseres Herrn Prälaten, betroffen gemacht. Sie ist gerade am Ostermontag mit 83 Jahren gestorben.

Um mit Gojauer Pfarrleuten verbunden zu bleiben, haben wir Schwestern am Palmsonntag an die Familien geweihte Kätzchen an den Haustüren verteilt, am Ostersonntag dann je eine kleine, von uns gebastelte Osterkerze. Die Kirche stand den Besuchern zum privaten Beten in diesen Tagen täglich offen.

Seit Ende Mai wurden die Vorschriften u. Schutz-Maßnahmen immer milder, anschließend wurden sogar für die sehnsüchtigsten Urlauber auch Ausland-Reisen, z.B. ans Meer, möglich. Wie haben sich alle, auch die Heim gebliebene gefreut! Ob die strengen Maßnahmen zu früh gemildert wurden? Schon Anfang September verschlechterte sich die Lage rasch, so dass man seit dem 5. Oktober wieder im Notstand steckt. Menschen in Masken, beschränktes Hinausgehen am Tag, Verbot des nächtlichen Hinausgehens, noch mehr Pflichte sich zu desinfizieren, sich testen zu lassen… Niemand ist fähig einzuschätzen, wie lange noch das ganze dauern wird.

Auch wenn Reisen heuer oft verhindert wird, im Sommer sind doch Pilger u. Touristen vom Inland u. Ausland zur Mutter Gottes nach Gojau gekommen. Es waren eher kleinere Gruppen von Menschen. Große Freude für uns war, unter ihnen einige von Ihnen, an die wir unser Jahresbrief senden, zu treffen.

Viele geplanten Veranstaltungen wurden aufgehoben, einige an spätere Termine verschoben. So war es auch mit der Priesterweihe in der Budweiser Diözese: anstatt im Juli fand sie am 5. September statt. In der St. Nikolaus-Kathedrale von Budweis sind zwei Diakone zu Neupriester geweiht worden: Mgr. Miroslav Štrunc und Mgr. Jan Rothschedl. Der -letzt genannte war uns gut bekannt, er war doch seit drei Jahren in Tsch. Krummau tätig. Im Dienst hat ihn jetzt der Priester Mgr. David Mikluš abgelöst, während der Neupriester Jan Rotschedl vom Herrn Bischof Kročil nach Prachatitz ausgesandt wurde.

Erlauben Sie uns noch einige Veranstaltungen des Jahres zu erwähnen. Herr Bischof Kročil wollte im Mai die Gläubigen der Diözese noch mehr zu verbinden, so hat er während des neuntägigen Andacht zur Mutter Gottes seit dem 4. Mai jeden Tag einen anderen Maria-Wallfahrtsort  besucht, um mit Priestern des jeweiligen Vikariats u. mit den Gläubigen zu beten. Kájov/Maria-Gojau war am siebten Tag der Andacht daran. Am Demselben Tag (10. Mai 2020) feierte der Bischof Vlastimil sein 59. Geburtstag. Nach der hl. Messe war er u. die anwesenden Priester zur Mahlzeit im Pfarrhaus eingeladen. Die Interessierten können sich ein Video davon per YouTube ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=er25g0l8S-g.

Am folgenden Mai-Sonntag, den 17. Mai haben uns der Bischof von Hradec Králové (Königsgraz) mit den drei Mitschwestern, die in seiner Diözese tätig sind, besucht. Während des Sommers haben auch die Juniorat-Schwestern ihr Treffen zweimal in Kájov/Gojau organisiert. Sie befinden sich noch in der Formation zu den Gelübden auf Lebenszeit als Kreuzschwestern. Außer des Unterrichts helfen sie während ihres Treffens gern ein wenig im Pfarrhaus u. nützen die schöne Umgebung zu einem Ausflug.

Anfang Juni verbrachten die Teilnehmerinnen des Projektes „Sommerjob“ in Kájov/Gojau. Vier sympathischen jungen Damen haben uns in der Pfarrei vier Tage geholfen, es waren gelungene schöne Tage. Dieses Projekt zielt auf ehrenamtlich organisierte Hilfe von Jugendlichen in den Ortschaften im Grenzgebiet (siehe (https://summerjob.eu). In der Zeit, wo scharfe Corona-Maßnahmen außer Kraft waren, konnten wir Schwestern einander ablösen, um Exerzitien zu machen. Als wieder Notstand herrschte, mussten einerseits manche Unternehmungen oder Treffen aufgehoben werden, anderseits versuchten wir, die von Gott geschenkte Zeit gut zu nutzen. So war z.B. unsere Nachbarin Frau Frieda bereit, uns beibringen, wie sie ihre Spezialität, die Schaumrollen, bäckt. Nebenbei haben wir ihr Geheimnis gelüftet, warum sie weit u. breit Meisterin darin ist: sie bäckt die Schaumrollen nämlich seit 74 Jahren. An dieses Unternehmen erinnern wir uns gern, es war schön.

Die Hauptwallfahrt von Kájov/Gojau war in diesem Jahr (10.-11. Oktober) auch bescheidener als sonst. Der Vorschrift nach durften in der Kirche zu dieser Zeit nur 100 Menschen zusammen beten, gab es weder die Lichtprozession am Samstagabend, noch die Anbetung während der ganzen Nacht. Dankbar für die Chance, Eucharistie zu feiern, haben wir unter Pfarrleuten am Samstagabend den Pfarrer von Velešín, Mgr. Rafal Kaca, willkommen geheißen. Am Sonntagmorgen hat die hl. Messe Herr Prälat Václav Pícha, JC. D. gelesen, den Hauptgottesdienst dann Herr Bischof von Budweis, Mons. Vlastimil Kročil. Anschließend  waren anwesende Priester u. Herr Bischof zur Agape ins Pfarrhaus eingeladen. Am Nachmittag fand die Rosenkranzandacht mit Herrn Bischof u. den Pilgern in der Kirche statt, und nach der Anbetung u. dem feierlichen Segen sind unsere liebe Gäste u. Pfarrleute heimgekehrt. Als Echo haben wir bekommen, diese Wallfahrt sei wohltuender für die Seele – es fehlten nämlich die Stände u. die Lustbarkeiten der Kirmes.

Auch die gewöhnten Treffen mussten wir in der Pfarrei aufheben. Dies förderte uns jedoch, neue Wege der Zusammenarbeit mit Pfarrleuten u. Kindern zu suchen, weil man in diesem  Jahr ohne Vesper am letzten Sonntag im Monat, kreative Treffen im Pfarrsaal, das St.-Martin-Spiel oder den St. Nikolaus-Besuch  leider auskommen muss. Um Kinder zu motivieren, haben wir am Martins Tag einen St. Martin-Pfad von 17 bis 20 Uhr organisiert. Dabei konnten Kinder in der Kirche ein Licht bekommen, womit sie dann unterwegs auf der durch brennende Kerzen markierten Route einige Aufgaben erfüllt haben. Manche Kinder sind allein gekommen, andere mit einem Erwachsenen oder mit den Eltern. Ans Ziel gekommen (an der Jubiläum-Linde wie übrig), hat jeder Teilnehmer ein Martins Bildchen gekommen u. den Martins Brötchen dazu. Zur Erinnerung an die vergangene Martin-Umzüge hat Sr. Pia, (die seit dem 1. Oktober zur Gemeinschaft von Kájov/Gojau gehört und sehr geschickt am PC) ein Video zusammengestellt, das an unserer Website zu sehen ist. Wir sind jetzt bei der Vorbereitung für Advent und Weihnacht.

Was den Fortgang von Renovierungsarbeiten betrifft, sind sie auch jetzt noch, (weil bis jetzt noch keinen strengen Frost gab) im Gang. Sie können sich Bilder davon auf unserer Website (https://www.kajov-gojau.cz) ansehen. Der Westflügel des Pfarrhauses leuchtet mit dem neuen Verputzten, die Pilgerherberge rühmt sich des neuen Dachs, auch der Garten u. Pfarrhof sehen „jünger“ aus. Die Beendigung der Renovierung soll nach Plan im Frühling 2021 erfolgen.

An der oben genannten Website können Sie immer Aktuelles von uns erfahren. Die Wallfahrtskirche steht den Besuchern sonntags von 14 bis 17 Uhr offen. Ein der treuesten Besuchern ist der ehemalige Kirchendiener, Herr Josef Batík. Er spürt schon seine abnehmende Kräfte, aber mit Hilfe eines Stockes kommt er regelmäßig in die Kirche, um zu beten.

Beinahe komme ich zum Schluss des Rundbriefes. Wir Schwestern möchten uns herzlich bei Ihnen bedanken – für Ihre treue Verbundenheit durch´s Gebet, für Ihre Gaben u. Spenden. Besonders zu dieser Zeit, wo man gut wirtschaften u. sparen muss, ist Ihre Hilfe willkommen. Wir vergelten gern mit dem Gebet bei Mutter Gottes, wo wir täglich aller Pilger, auch derer, die in diesem Jahr nicht kommen konnten, sowohl Ihrer Kranken u. Verstorbenen, als auch der Regierenden gedenken. Wir sind in der Gotteshand geborgen. Als Schwestern leben wir schlicht und zufrieden hier: unter Schutz Mariens. Wir versuchen nach ihrem Vorbild, jeden Tag dankbar anzunehmen, aufmerksam dem Herrn zu lauschen und Ihm einzigen zu dienen. Wie Herr Prälat zu sagen pflegt: jeden Tag den Besuch Gottes zu erkennen.

Im Namen meiner Mitschwestern wünsche ich Ihnen die Fülle von Gottes Gnade und ein gesegnetes Feiern des Weihnacht-Geheimnisses; mögen Sie mitten der Heiliger Nacht das Licht erblicken, das Sie mit Hoffnung erfüllt u. durch das kommende Jahr 2021 hindurch führt!

Ihre Sr. Karmela

mit der Gemeinschaft Barmherziger Schwestern vom hl. Kreuz aus Kájov/Maria Gojau

 

Zusammengefasst von Sr. Karmela, übersetzt worden von Sr. Charitas